In diesem Beitrag möchten wir folgender Frage nachgehen:
„Mich würde interessieren, wie sehr Evangelikale Einfluss auf die christlichen Hilfsorgansiationen haben, die in Deutschland Aufgaben wie Rettung, Krankenfahrten, Pflege und Kindergärten übernehmen.“
Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, allerdings gibt es evangelikale Strukturen/Vereine, die Kindergärten betreiben, private Bekenntnisschulen, christliche Altenheime, aber auch Kliniken mit evangelikalem Bezug.
Deutschlandweit sind 225 Bildungseinrichtungen (62 Kitas und 163 Schulen an 139 Standorten) im Verband evangelischer Bekenntnisschulen (VEBs) organisiert. [1]
Gegründet wurde VEBs von Eltern, „die damit ein Grundrecht unserer Verfassung (Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes) wahrgenommen haben. Sie teilen als Bekenntnis die „gemeinsame Basis des Glaubens der Evangelischen Allianz in Deutschland“ [(EAD)], sind also unabhängig („frei“) von (z.B. evangelischen Landes-) Kirchen.“ [2]
Damit ist der evangelikale Charakter von VEBs und den angschlossenen Schulen eindeutig belegt.
Aber es gibt noch mehr evangelikale Bekenntnisschulen, die sich nicht VEBs angeschlossen haben, sondern zum Beispiel wie die August Hermann Franke Schule in Gießen dem regionalen Netzwerk der Evangelischen Allianz Gießen angehören.
Das trifft übrigens auch auf die Daniel Schule (Freie Christliche Schule Wiesbaden) zu, die sich der Evangelischen Allianz Wiesbaden angeschlossen hat bzw. hier Mitglied ist. [3]
Und nicht alle Schulen, die VEBs angeschlossen sind, sind auf den ersten Blick als Bekenntnisschulen erkennbar, wie z. B. Shalom Ludwigsburg, Elterninitiative Schwalbennest Naturkindergarten Kupferzell e.V., Wurzelwerke e.V. oder Pädagogische Initiative Bergstraße e.V.
Außerdem gilt es zu bedenken, nicht immer steckt hinter der Bezeichnung „christlich“ ein evangelikaler Missionierungsdrang. Es kann die Einrichtung einer evangelischen oder katholischen Kirchengemeinde sein, die weit entfernt ist von KiNC oder Fundamentalismus.
Nun zu den Altenheimen oder „Residenzen für Senior*innen“.
Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.Ö.R. (BEFG – Baptisten) ist organisiert in der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD), d.h. er gehört zu den verbundenen Werken. [4]
Dieser Bund bzw. der BEFG betreibt Einrichtungen für Senior*innen in Hamburg, Crivitz, Wuppertal, Berlin-Wannsee, Wetter, Leichlingen, Springe, Burghaun, Hünfeld … .
Sie tragen Bezeichnungen wie Diakoniezentrum Springe, Seniorenwohnanlage/Betreutes Wohnen oder Diakonie Hospiz Wannsee GmbH oder Diakoniewerk Grundschöttel GmbH. [5]
Am Beispiel der Diakonie Hospiz Wannsee GmbH werden die Vernetzungen zur Diakonie Berlin-Brandenburg.schlesische Oberlausitz und dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V. deutlich. Denn diese Organisationen sind Mitglied bei der Diakonie Hospiz Wannsee, während die Immanuel Albertinen Diakonie gGmbH und der evangelische Diakonieverein Berlin-Zehlendorf e.V. Gesellschafter der evangelikalen Einrichtung sind. [6]
Wer käme hier auf die Idee einen evangelikalen Background zu vermuten.
Die Apis, ein Partner im Netzwerk Gemeinsam für Stuttgart, hinter dem die Evangelische Allianz Stuttgart steckt, [7] betreibt das Altenheim Schönblick.
Auf der Webseite von Schönblick wird deutlich, dass zum Netzwerk das christliche Gästehaus Schönblick gehört, ein Waldkindergarten, eine Wohnanlage und eine Buchhandlung. [8]
Unter dem Dach „Schönblick“ finden Veranstaltungen, evangelikale Konzerte und Kongresse statt und natürlich auch die Worship Academy oder ein Songwriting Camp mit Mia Friesen. [9]
Im Pflegeheim Schönblick gibt es nicht nur einen Gottesdienst, sondern auch Bibelstunden, seelsorgerliche Begleitung streng bibeltreu, versteht sich. [10]
Wir schauen auf die Kliniken in Deutschland. Denn hier „gibt es mehrere Kliniken, die explizit auf einem christlich-evangelikalen oder freikirchlichen Glaubensfundament arbeiten.“
Darunter z.B. die gemeinnützige DGD Klinik Hohe Mark (Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin). Zwar gibt es „nur“ ein christliches Bekenntnis, doch ein Blick auf d. Ärzt*innen führt in den evangelikalen Sektor.
Wir schauen genauer hin.
Der ärztliche Direktor Prof. Dr. med. Markus Steffens dient als entsprechendes Beispiel. Er ist Leiter der Abteilung Allgemeine Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, Suchtmedizin und Psychotherapie. [11]
2025 nahm er an einer Veranstaltung von Himmelwärts teil und wird hier mit den Worten: „Der Glaube kann dabei ein echter Resilienzfaktor sein, sofern er den liebenden heilenden Gott in den Mittelpunkt stellt“ zitiert. [12]
Steffens gehört zum Kongressbeirat des 9. Christlichen Gesundheitskongresses CGK. [13] Gleichzeitig gehörte die Klinik Hohe Mark zu den Sponsoren der „christlichen Veranstaltung“, die von den Christen im Gesundheitswesen e.V. organisiert wurde. [14]
Wir bleiben in der Klinik Hohe Mark. Die Oberärztin Dr. med. Dorothee Erbe-Bechthold gehört zu den Referent*innen des Instituts für Christliche Lebens- und Eheberatung, [15] kurz ICL.
Desweiteren gehört sie zur Kirche am Start, dessen Netzwerk zu zwei evangelikalen Freikirchen führt und einem weiteren Netzwerk, dem einige „fragwürdige“ Kirchengemeinden angehören, [16] darunter SELK (Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche. [17]
Für den Liebenzeller Gemeinschaftsverband (ebenfalls KiNC) hielt sie 2018 einen Vortrag. Der Schwarzwälder Bote berichtete darüber mit den Worten: „Seelsorge: Impulstag mit Tipps/Knapp 190 Teilnehmer/Sechs Seminare/Ermutigende Antworten aus der Bibel“.

Als Referentin für die christliche Stiftung Therapeutische Seelsorge (TS Stiftung) tauchte sie 2020 auf. [19] Zum Netzwerk dieser Stiftung gehören Seelsorger*innen und vermeintliche Psychotherapeut*innen.
Vermeintlich weil diese Heilpraktiker*innen für Psychotherapie sind, [20] aber keine Psycholog*innen oder Fachärzt*innen für Psychotherapie.
Auch interessant ist ein Bericht von idea über den langjährigen Chefarzt und ärztlichen Direktor Martin Grabe, der als „ein Botschafter für „christliche Psychiatrie““ in den Ruhestand verabschiedet wird. [21]
Die Fachklinik Hohe Mark ist außerdem Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen (ACL), der auch Mission Freedom angehört.

Für Interessierte gibt es hier einen Einblick in das ACL-Netzwerk
Mission Freedom, gegründet von Gaby Wentland, führt uns zum Himmelsstürmer, der das Haus SeeNest im Allgäu betreibt. Eine vollstationäre Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. [23]
Hier finden traumatisierte Kinder und Jugendliche eine christlich-fundamentalen/evangelikalen Struktur/Organisation und werden von Personen betreut, die mindestens genau so oder vergleichbar durchdrungen sind von biblischen Glaubensgrundlagen oder im schlimmsten Fall sogar vom heiligen Geist.
Mehr dazu hier oder auch hier