Ein weiterer Beitrag über das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit

Ein Beitrag mit Neuigkeiten und Überlegungen zum rechten und rassistischen Netzwerk Wissenschaftsfreiheit.

Mit Datum vom 16.07.2021 wurden vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit 555 Mitglieder/Mitstreiter*innen angegeben. Der tatsächliche Stand beträgt allerdings 551. Denn 4 Personen sind doppelt aufgeführt und neu hinzugekommen sind sieben.

Das hier sind sie:

  1. Prof. Dr. Konstanze Anspach (Ingenieurin, Hochschule Rhein-Main)
  2. Prof. Dr. Manfred Berg (Historiker, Universität Heidelberg)
  3. Prof. Dr. Roland Deines (Theologe, Internationalen Hochschule Liebenzell)
  4. Prof. Dr. Ingeborg Fiala-Fürst (Literaturhistorikerin, Palacký-Universität Olmütz, Tschechien)
  5. Prof. Dr. Dirk Meyer (Institut für Volkswirtschaftslehre, Universität der Bundeswehr Hamburg)
  6. Prof. Dr. Mathias Seifert (Chemiker, Fresenius-Hochschule, Idstein)
  7. Dr. Michael Zerjadtke (Historiker, HSU Hamburg)

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein weiterer Aspekt. So ist das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit kein nationales oder deutsches Netzwerk, sondern ein weltweites, das sich auf Universitäten/Hochschulen in 19 Staaten erstreckt.

Mit dabei sind neben Deutschland auch Professor*innen aus Österreich, Spanien, Schweiz, USA, Tschechien, Ungarn, Luxemburg, Estland, Litauen, Japan, Frankreich, Rumänien, Hongkong, Liechtenstein, Italien, China, Belgien, Australien und Kanada.

Die Unübersichtlichkeit von Netzwerken verdeutlicht eine Grafik, die leider von Redbull stammt. Sie zeigt jedoch sehr gut die Komplexität und das bei „nur“ 4 Personen.

Foto von einem Netzwerk von 4 Personen, die auf unterschiedliche Weise miteinander kommunizieren. Es sieht ein bisschen so aus, wie ein Streckennetz der Deutschen Bahn zum Beispiel.

[1]

Mensch kann sich darum leicht vorstellen, wie unübersichtlich die Vernetzungen von den 551 Mitgliedern/Mitstreiter*innen des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit aussehen. Abbildbar ist das allerdings nicht.

Und so gut besagte Grafik auch ist, so hat sich doch einen Haken, denn sie berücksichtigt nicht die bestehenden Außenkontakte. Die Grafik betrachtet „netzwerken“ als eine geschlossene Einheit, in der alle nur miteinander auf unterschiedliche Weise kommunizieren.

Diese geschlossene Netzwerkstruktur gilt jedoch nicht für das rechte und rassistische Netzwerk Wissenschaftsfreiheit. Denn dieses setzt gerade auf die Außenwirkung und Weiterverbreitung ihrer Botschaften.

Nachzulesen unter der Rubrik „Presse & Beiträge“.[2]

Auf der Webseite des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit gibt es die Rubrik: Presse & Beiträge. Darunter sind zu finden: Pressemitteilungen, Stellungnahmen und offene Briefe, Das Netzwerk in den Medien, Beiträge zur Wissenschaftsfreiheit, Interviews mit Mitgliedern.

oder auch im Rahmen von Veranstaltungen, wie in der Podiumsdiskussion am 19.07.2021 mit Bundestagsabgeordneten aus fast allen Parteien. Die Moderation übernahm Heike Schmoll von der FAZ. [3]

So kamen im Rahmen jener Podiumsdiskussion Marc Jongen von der AfD, der seine Vernetzungen zur Desiderius-Erasmus-Stiftung und zum Institut für Staatspolitik im Gepäck hatte, Heribert Hirte, der in der Vergangenheit u.a. der in der Vergangenheit u.a. als Referent für eine Opus Dei Veranstaltung des Bildungszentrums Feldmark fungierte, sowie Jens Brandenburg (FDP), Kai Gehring (Grüne), Ernst-Dieter Rossmann (SPD) und Petra Sitte (Linke) zusammen.

Für die Teilnahme der linken Bundestagsabgeordneten fehlt mir nach wie vor allerdings jegliches Verständnis.

Screenshot, der die Angaben im Thread bestätigt.

Das Wesen des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit setzt also einerseits auf die Außenwirkung, verbindet sich mit rechten, rassistischen, misogynen und/oder neofaschistischen Personen samt Klimawandelleugnern wie z.B. mit Jörg Baberowski, mit Walter Krämer, mit David Engels und mit Sebastian Lüning …,

während es gleichzeitig eines ist, das aus der gesellschaftlichen Institution der Universität, der Fachhochschule, der Hochschule kommt und in der Mitte andockt, um dort die Diskursverschiebung weiter nach rechts voranzutreiben.

Es ist also eines, das aus der Mitte entspringt, das die Sprache der Mitte kennt und sich gleichzeitig als „Wissenschaft“ generien kann und das auch noch international.

Am Beispiel von Prof. Dr. Philipp Bagus, Ökonom von der Universität Rey Juan Carlos, Madrid, Spanien möchte ich dessen Verbindungen aufzeigen, die 2017 zur Bibliothek des Konservatismus, einem Think Tank „neuer“ Rechter in Berlin führten, 2014 zur Jungen Freiheit, hier publizierte er einen Artikel. Und es sollte nicht der Letzte gewesen sein.

Bagus war Interviewpartner für die AfD-nahe Freie Welt, war 2015 Referent der Münchner Wirtschaftsgespräche für die Stiftung Freiheit und Vernunft, die in Kooperation mit dem Hayek-Club durchgeführt wurde. [4]

Anmerkung: Die Hayek-Clubs gehören zur Hayek-Gesellschaft.

Zum Netzwerk der AfD-nahen Stiftung Freiheit und Vernunft gehörte übrigens auch die Liberale Vereinigung. [5]

Bagus ist Autor für das Ludwig von Mises Institut Deutschland, ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des … Mises Institut Deutschland, [6]

das seinerseits „in enger Kooperation Ludwig von Mises Institute in Auburn, US Alabama, und mit vielen anderen Ludwig von Mises Instituten in aller Welt steht.[7]

Bagus fungiert ebenso als Gastautor für den Blog „Wirtschaftliche Freiheit“. [8]

Für diesen Blog schrieben/schreiben auch andere Mitglieder des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit, z.B. Prof. Dr. Rainer Hegselmann, Prof. Dr. mult. Nikolaus Knöpfller, Prof. Dr. Christoph Lütge, Prof. Dr. Fritz Söllner, Prof. Dr. Gerhard Wegner.

Zuzuordnen ist Philipp Bagus den rechten Marktradikalen. Außerdem hat er den rechten Appell für freie Debattenräume unterstützt. Zu finden unter der laufenden Nummer: 3,939.

Für den Deutschen Bundestag gab Bagus für die 62. Sitzung des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe eine Stellungnahme zum Lieferkettengesetz ab. Ausschussdrucksache 19(17)116. [9]

Erst im Juni 2021 berief sich die AfD, bzw. Beatrix von Storch, auf Philipp Bagus. [10] Nachzulesen hier:

Screenshot, der die Angaben im Thread bestätigt. Es geht dabei um den Satz: „Dabei liegt der tatsächliche Kaufkraftverlust deutlich höher, denn „die Zusammensetzung der Warenkörbe, die der Berechnung zu Grunde liegen, werden manipuliert und verändert und sind auch willkürlich“, wie der Professor für Volkswirtschaftslehre, Philipp Bagus, feststellt.“

Philipp Bagus ist also nicht nur mit dem Netzwerk Wissenschaftsfreiheit verbunden, sondern auch ebenso mit anderen Organisationen, sowie mit der bereits genannten Universität in Madrid.

So sehen die bisherigen Informationen als Grafik aus.

Selbsterstellte Grafik, die die Verbindungen aufzeigt.

Aber hier enden die Verbindungen nicht. Denn auch die Professoren Hegselmann, Knöpffler, Lütge, Söllner, Wegner pflegen Verbindungen. Ebenso sind die genannten Organisationen vernetzt oder unterhalten Kooperationen.

Das sieht dann so aus.

Selbsterstellte Grafik, doch mit zusätzlichen Pfeilen versehen wurde, die dick und rot sind und weitere Verbindungen aufzeigen. Das Netzwerk wirkt noch unübersichtlicher, obwohl nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen ist. Was beabsichtigt ist.

Und auch diese Grafik ist unvollständig. Die fetten grünen Pfeile sollen in der nächsten Grafik die weiteren Kontakte symbolisch darstellen.

Weitere Pfeile, noch dicker und auffallend grün, wurden hinzugefügt, um die Verbindungen zu symbolisieren, die von den Personen und Organisationen ausgehen. Dabei symbolisieren die Pfeile den Weg von Botschaften, die unablässig gesendet werden. Leider kann ich die selbsterstellte Grafik nicht besser beschreiben.

Natürlich war auch dieses Schaubild unvollständig, denn die mit grün gekennzeichneten Pfeile führen schließlich nicht ins Leere, sondern auch wieder zu anderen Personen und/oder Organisationen.

Spätestens seit der „Entdeckung“ des europaweiten antifeministischen LGBTQI-feindlichem Netzwerks Agenda für Europa, das sich das Ziel gesetzt hat Schwangerschaftsabbrüche, die Antibabypille und Scheidungen zu verbieten und Homosexualität zu kriminalisieren, müsste doch klar sein, wie schädlich derartige Netzwerke sind.

Das zeigt sich in Ungarn. Denn hier ist seit dem 1.7. jegliche Berichterstattung oder Veröffentlichung über LGBTQI-Themen verboten, d.h. Ziele von Agenda für Europa werden in Ungarn bereits umgesetzt.

Ungarn ist in diesem Fall auch ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit mit deutschen Politiker*innen, Organisationen, Einzelpersonen, die Orbán und damit die Fidesz unterstützt und zur Macht verholfen haben.

Hendrik Hansen vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, Professor für politischen Extremismus und politische Ideengeschichte an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, mit guten Verbindungen zur Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS),

Anmerkung: Hendrik Hansen ist nicht der einzige vom Netzwerk mit Verbindungen zur KAS, außerdem noch u.a.: Britta Bannenberg, Ulrike Ackermann, Guido Hitze, Frank-Lothar Kroll, Reinhard Merkel, Andreas Rödder, Clemens Albrecht, Susanne Schröter, Christine Schirrmacher …

hatte bis vor kurzem nämlich zusätzlich noch einen Lehrstuhl für internationale und europäische Politik, Verwaltungswissenschaften an der Andrássy Universität Budapest (Ungarn). Mittlerweile nicht mehr.

Screenshots, die die Angaben im Text bestätigen oder beweisen.

Bild

[12]

Bei dieser Universität handelt es sich um eine deutschsprachige private Universität, die 2001 von Victor Orbán (Fidesz), Edmund Stoiber (CSU), Erwin Teufel (CDU) und Wolfgang Schüssel (ÖVP) gegründet wurde.

Die Andrássy Universtität gehört übrigens zu den wichtigen Kooperationspartnern der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die laut eigenen Angaben eng

und partnerschaftlich mit den beiden ungarischen EVP-Parteien FIDESZ Ungarische Bürgerliche Union und Christlich-Demokratische Volkspartei (KDNP) zusammen – vor allem aber auch mit der Stiftung für ein Bürgerliches Ungarn (PMA)[13] zusammenarbeitet.

Screenshot, der die Angaben im Text beweist.

[13]

Und auch das war auch wieder nur ein kleiner Auszug, der nur in Ansätzen verdeutlichen konnte, wie viel Fidesz, wieviel rechts, wieviel Misogynie, wieviel LGBTQI-feindlichkeit und wieviel Rassismus im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit steckt.

Ein Netzwerk, das von Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen ausgeht, getragen von vermeintlich honorigen und gelehrten Menschen, die akademische Titel tragen und die nächste Generation Studierender unterrichtet und auch prägt.

Ein Netzwerk, das trotzdem nach wie vor viel zu wenig kritische Aufmerksamkeit und Widerspruch erlangt und dem es gelungen ist mit einer Podiumsdiskussion einen Vertreter des parlamentarischen Arms des Rechtsterrorismus, gemeint ist die AfD, und eine Vertreterin von der Partei Die Linke zusammenzuführen, ganz ohne Kritik oder Widerspruch.

Es ist ein Netzwerk das noch viel vor hat und das auch erreichen kann, weil sich zu wenige dafür interessieren und diesem Pack ihre Wohlfühlzonen nicht nur stillschweigend, sondern sogar mit Unterstützung, überlässt.

Auf dass sie sich ausbreiten und Schaden anrichten können. Pfui.

Anmerkung: Wer all das nicht glaubt, kann sich durch diese Dokumentation arbeiten: bkramer.noblogs.org/netzwerk-wisse