Evangelischer Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU

Dies ist die Fortsetzung der kleinen Reihe, die sich kritisch mit den Organisationen der Union (CDU/CSU) befasst. In diesem Teil geht es um den Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/SCU.

Teil 1: Die WerteUnion und der neue Bundesvorsitzende Max Otte
Teil 2: Die Vernetzungen der Christdemokraten für  das Leben
oder: wieviel christlicher Fundamentalismus und Agenda für Europa in der CDL steckt?
Teil 3: Konrad-Adenauer-Stiftung
Ihr Verhältnis zur Fidesz und Orbàn und wie hält es die KAS mit dem christlichen Fundamentalismus?
Teil 4: Berliner Kreis in der Union
Teil 5: Konservatismus

Hier beginnt Teil 6.

Als ich neulich twitterte, dass zwischen dem „Laschet-Bus“ und dem „Bus der Meinungsfreiheit“ oder dem „Hass-Bus“ von Demo für Alle und CitizenGo gar kein so großer Unterschied besteht, war das keine Polemik, sondern ernstgemeint.

Im Foto ist ein Bus zu sehen, der komplett mit Werbung versehen ist und zwar mit Werbung für Armin Laschet. Ein riesengroßes Foto von ihm und dann noch die Aufschrift: Gemeinsam für ein modernes Deutschland. Sende SMS mit CDU an 0177 1781855.

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Foto zeigt den Bus der Meinungsfreiheit, der eine riesengroße Aufschrift trägt: Stoppt übergriffigen Sex-Unterricht! Schützt unsere Kinder. Davor stehen Menschen, die ein Transparent von CitizenGo und Demo für Alle halten. Darauf steht: Aufklärung biologisch? Ja klar. Peinliche Sexualkunde? Nein.

[2]

Denn wie schon in den anderen Threads dargelegt, basiert der Kern der CDU/CSU u.a. auf Misogynie, LGBTQI-feindlichkeit und dem Bild einer cisgeschlechtlichen heterosexuellen Familie.

Deshalb sollte es keinen überraschen, dass auch Verbände des Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU Bündnispartner von Demo für Alle (DfA), dem Sammelbecken für christliche Fundis und extreme Rechte, sind.

Das betrifft die Kreisverbände Heilbronn, Karlsruhe-Land, Mannheim und Stuttgart. [3]

Der EAK Ba-Wü kritisierte 2015 den Aktionsplan für Akzeptanz sexuelle Vielfalt und gleiche Rechte an Schulen in Baden-Württemberg verbindlich in den Lehrplan aufzunehmen. Die EAK-Landesvorsitzende Sabine Kurtz sagte dazu folgendes:

Der Aktionsplan schießt über das nachvollziehbare Ziel, Toleranz gegenüber Minderheiten zu fördern und Diskriminierungen abzubauen, weit hinaus„. Da dieser, so Kurtz, stattdessen ideologische Gräben aufreiße und die Gesellschaft spalte. Dieses Thema solle in allererster Linie in den Familien besprochen werden. [4]

Damit lag Kurtz vom EAK der CDU/CSU genau auf der Linie von Demo für Alle, christlichen Fundis und u.a. auch der Evangelischen Allianz Deutschland (EAD).

Der EAK der CDU Ba-Wü. Stuttgart gehört darüberhinaus zu den ideellen Unterstützer*innen des Marsches für das Leben, organisiert vom Bundesverband Lebensrecht (BVL), dem auch die Christdemokraten für das Leben (CDL) als Mitglied angeschlossen sind. [5]

Zu den ideellen Unterstützer*innen des Marsches für das Leben gehören auch die Junge Union Deutschlands, Berlin sowie die Senioren-Union der CDU Deutschlands, Berlin und der Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU, Bonn. [6]

Dieser (AEK) allerdings hatte sich kaum gegründet, auch schon wieder gespalten. [7]

Einträchtig vereint mit den Jesus Freaks Wedel, der Bewegung für das Leben Südtirol, der Interessenvertretung ungeborener Menschen e.V. … .

Screenshots belegen die Angaben im Thread.

[8]

Bild

[8]

Unvergessen auch die 2015 stattgefundene Kooperationsveranstaltung des EAK und der Katholische Arbeitnehmerbewegung mit dem gut vernetzten Manfred Spieker u.a. vom Opus Dei (Lindenthal-Institut). [9]

Hier erhielt der Bündnispartner von Demo für Alle (DfA) ausreichend Gelegenheit über die existentielle Bedrohung der Familie als Fundament „unserer“ Gesellschaft und über „Gender-Mainstreaming“ im Allgemeinen zu fantasieren.

Auch interessant ist die Tatsache, dass der EAK 2019 als Aussteller*in an der evangelikalen Messe Kongress christlicher Führungskräfte teilgenommen hat.

Im Jahr davor, also 2018, organisierte der Evangelische Arbeitskreis der CDU Charlottenburg-Wilmersdorf eine Kooperationsveranstaltung mit der Bibliothek des Konservatismus, einem „neu“rechten Think Tank in Berlin. [10] [11]

Der CDUler „Prof. Dr.“ Rupert Scholz referierte über Migration und Obergrenze mit Anmerkungen zum Asylrecht.

Auch im Veranstaltungskalender der WerteUnion war schon die eine oder andere Ankündigung des EAK zu finden.

Als Armin Laschet auf der Bundestagung des EAK einen Vortrag hielt, hat dieser gesagt, dass der EAK die eigentliche WerteUnion der Union und das schon seit Jahrzehnten sei.

Ein Foto von Armin Laschet auf der 52. Bundestagung des EAK. Darüber die Aufschrift: Wir haben eine Werteunion, die heißt Evangelischer Arbeitskreis. Eine andere brauchen wir nicht. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

[12]

Das christliche Menschenbild, so Armin Laschet, und die daraus abgeleiteten Prinzipien gäben der Politik Profil, auch wenn immer weniger Menschen einer Kirche angehörten. [13]

Und das ist es was sich die 1952 gegründete Organisation vorgenommen hat, nämlich Brücken zu bauen zwischen Kirche und Politik,

Auf dem Foto ist das Banner vom EAK. Brücken bauen zwischen Kirche und Politik. Darunter das Dach bzw. ein Teil der Fassade eines modernen silbrigschimmernden Gebäudes und die Kuppel einer goldglänzenden Kirche.

[14]

also das „politische Christentum“ und damit auch das christlich-fundamentale Spektrum nicht nur zu etablieren, sondern auch auszubauen und damit auch jenen aufzubürden, die das gar nicht wollen.

Und auch das ist keine Polemik oder Übertreibung, sondern zeigt sich z.B. an den Links, die der EAK weiter verbreitet, darunter ERF, also der Evangeliums Rundfunk der EAD (Evangelische Allianz Deutschland).

Für die hauseigene Publikation des EAK „Evangelische Verantwortung“ schrieben bisher u.a. die evangelikale Christine Lieberknecht (Kuratoriumsmitglied von PRO Christ), die auch zum Referent*innenkreis der extrem rechten Kölner Burschenschaft Germania gehört, Herfried Münkler, der schon für TUMULT geschrieben hat, die Abtreibungsgegnerin Elisabeth Motschmann (neugewählte Beisitzerin der EAK, Stiftung Ja zum Leben …), der Evangelikale Thomas Schirrmacher, Ulrich Eibach von den Homoumpoler*innen des DIJG (Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft), Christean Wagner vom Berliner Kreis [15] oder auch „Prof. Dr.“ Wolfgang Merbach, der für „Evangelische Verantwortung“ den von menschengemachten Klimawandel leugnet.

Da schrieb er nämlich folgendes:

„Der derzeitige Klimawandel fußt auf natürlichen Ursachen, lässt sich durch den Menschen nicht verhindern und hat mit CO2 wenig zu tun. Er stellt keinen planetaren Notstand dar, (…)“

Screenshot, der die Angaben im Thread bestätigt. Der Artikel trägt die Überschrift: „Klimawandel – Apokalypse oder Herausforderung?“ von Prof. Dr. Wolfgang Merbach.

[16]

und weiter

„Statt das Geld für die „Dekarbonisierung“ zu verschwenden, sollte es für die Entwicklungshilfe (Hilfe zur Selbsthilfe) ausgegeben werden. Dadurch ließen sich die ökonomischen Grundlagen schaffen, die vor der Menschheit stehenden Probleme, von denen Klimawandel-Anpassung nur eines ist, in abgewogener Weise zu lösen.“

Dekarbonisierung“ oder „Entkarbonisierung“ meint dabei die Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft. Wikipedia dazu:

„Die Dekarbonisierung ist damit ein zentrales Mittel des Klimaschutzes sowie einer der Hauptpfeiler der Energiewende: Ziel ist die CO2-Neutralität der Wirtschaft.“

[17]

Und genau die wird von „Prof. Dr.“ Wolfgang Merbach Beisitzer vom Bundesvorstand und stellvertr. Landesvorsitzender des EAK Landesverbands Sachsen-Anhalt und Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geleugnet. [18]

Sein Text aus „Evangelische Verantwortung“ 7/8 2019 (Evangelischer Arbeitskreis der CDU/CSU) wurde auch im Blog des Gemeindenetzwerks veröffentlicht.

Das Gemeindenetzwerk ist eigenen Angaben zufolge ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes, der dem Netzwerk der EAD angeschlossen ist.

Zu den Autor*innen gehören u.a. Einer Von Uns, zahlreiche Organisationen der Antichoice-Bewegung, Billy Graham, Birgit Kelle, Christa Meves, die Christdemokraten für das Leben, CitizenGo und u.a. das Civitas Institut (Piusbruderschaft) … .

Also auch hier stößt Klimawandelleugnung auf offene Ohren ausgehend vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU.

Damit ist Merbach, stellvertr. Bundesvorsitzender der SeniorenUnion, [19] allerdings nicht alleine, denn auch Hans-Jürgen Irmer leugnet den von Menschen gemachten Klimawandel nicht nur für die Berliner Kreis Infos sondern auch im Wetzlar Kurier.

Hans-Jürgen Irmer (CDU) verbreitet klimapolitischen Unsinn – Ein Faktencheck – YouTube

Für diesen schreibt auch Frank Steinraths von der CDU Lahn-Dill und aktiv beim Evangelischen Arbeitskreis (EAK) Lahn-Dill. [20]

Er engagiert sich bei den Christdemokraten für das Leben und wird vom extrem rechten Medium Hessen Depesche als neben Irmer einer der letzten Konservativen in der Union bezeichnet. [21]

2015 veranstalteten die Evangelische Allianz Wetzlar, der Evangelische Arbeitskreis (EAK) der CDU Lahn-Dill gemeinsam mit dem evangelikalen Christlichen Medienverbund KEP, mittlerweile umbenannt in Christliche Medieninitiative PRO, und ERF Medien eine Veranstaltung über „Christen Verfolgung – Betroffene berichten“, an der Hans-Jürgen Irmer die Abschlussrede der Veranstaltung gehalten hat. [22]

D.h. der Übergang vom christlichen/christlich fundamentalen/evangelikalen ins extrem recht Spektrum ist fließend auch beim Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es hier Schnittmengen mit dem europaweiten antifeministischen LGBTQI-feindlichen Netzwerk Agenda für Europa, dem Netzwerk um CitizenGo gibt und ebenso zum internationalen Evangelikalen Netzwerk der AfD: Fundamentalisten und Radikale: Das evangelikale Netzwerk der AfD | tagesschau.de

Aber ebenso solche, die direkt ins extrem rechte Spektrum führen und das alles vom Evangelischen Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU.

Teil 7: Junge Union

Teil 8: Tatort Wetzlar oder wie alles mit allem zusammenhängt

Ergänzung vom 19.09.2021:

Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU hat nachweislich 2017 am evangelikalen Kongress christlicher Führungskräfte (KcF) teilgenommen. [1]